
Die meisten fahren durch die Emilia-Romagna hindurch, als wäre sie nur ein Stück Autobahn zwischen Norden und Süden. Oben die Dolomiten, unten die Toskana, dazwischen ein bisschen Parma, Modena, Bologna und dann weiter. Genau das ist eigentlich verrückt, denn gerade abseits der großen Straßen zeigt diese Region eine Seite, die ich so in Italien lange unterschätzt habe.
Als ich mit Paul dort unterwegs war, hatte ich keinen klassischen Badeurlaub im Kopf. Ich wollte eine Pause auf dem Weg Richtung Toskana, irgendwo mit Natur, schönen Straßen, guten Wegen für den Hund und einem Platz, an dem man morgens aus dem Camper steigt und sofort merkt: Hier lohnt es sich zu bleiben.
Und genau das bekommt man im Apennin der Emilia-Romagna. Diese Landschaft hat nichts Lautes, nichts Aufgesetztes. Sie ist bergig, waldreich, überraschend ursprünglich und stellenweise richtig spektakulär. Je weiter man von der Autobahn wegfährt, desto mehr verändert sich alles. Die Straßen werden schmaler, die Kurven weicher, die Dörfer steinerner, die Wälder dichter. Plötzlich fährt man nicht mehr nur „durch Italien“, sondern mitten hinein in eine Gegend, die viele gar nicht auf dem Zettel haben.

Besonders schön fand ich die Region rund um Montecreto und den Monte Cimone. Der Campingplatz Camping Parco dei Castagni liegt dort in einer Landschaft, die sofort nach Apennin riecht: Kastanienbäume, Bergluft, kleine Wege, viel Grün und diese ruhige, leicht wilde Atmosphäre, die man mit Hund einfach liebt. Mit Paul konnte ich dort wunderbar loslaufen, ohne lange planen zu müssen. Raus aus dem Camper, Leine dran, und schon war man mitten in dieser Mischung aus Wald, Bergdorf und italienischer Gelassenheit.
Gerade mit Hund ist das Gold wert. Paul braucht unterwegs keine spektakulären Besichtigungen. Er braucht Gerüche, Schatten, Wege, auf denen er in seinem Tempo laufen kann, und genug Abwechslung für seine Dackelnase. In den Kastanienwäldern dort war er natürlich sofort beschäftigt. Jeder Baum, jede Mauer, jeder schmale Pfad hatte für ihn offenbar eine eigene Geschichte. Ich stand derweil daneben, habe auf die Berge geguckt und mich gefragt, warum ich diese Gegend früher immer nur als Durchfahrtsland wahrgenommen habe.

Auch die Straßen dort sind ein Erlebnis. Wer gern mit dem Camper fährt und kurvige Bergstrecken mag, wird diese Region lieben. Nicht diese extremen Passstraßen, bei denen einem im Wohnmobil die Hände am Lenkrad festwachsen, sondern schöne, langsame, aussichtsreiche Fahrten durch Wälder, über Höhenzüge und durch kleine Orte. Immer wieder öffnet sich der Blick, dann sieht man Hügelketten, Täler, Kirchtürme, alte Häuser und diese weiche Berglandschaft, die irgendwo zwischen Alpen und Toskana liegt.
Noch wilder und ursprünglicher wurde es für mich Richtung Corniolo und Nationalpark Foreste Casentinesi. Diese Ecke hat mich besonders beeindruckt. Dort wird Italien plötzlich fast nordisch. Tiefe Wälder, feuchte Luft, Bäche, schattige Wege, alte Buchen und dieses Gefühl, dass die Natur hier wirklich Raum hat. Der Corniolo Woods Camping passt genau in diese Stimmung. Kein typischer großer Campingplatz mit Trubel, sondern ein Ort für Menschen, die Wald, Ruhe, Wandern und einfache Schönheit mögen.
Mit Paul war das traumhaft. Gerade an warmen Tagen ist so ein Waldgebiet mit Hund viel angenehmer als die offenen, heißen Landschaften weiter südlich. Man läuft durch Schatten, hört Wasser, findet immer wieder kleine Pausenplätze und hat dieses satte Grün um sich herum. Für einen Dackel ist das natürlich das Paradies: feuchter Boden, Laub, Spuren, Wurzeln, Steine und genug zu schnüffeln für drei Leben.
Was mir an dieser Region so gefällt, ist ihre Echtheit. Sie drängt sich nicht auf. Sie will nicht gefallen wie ein Postkartenmotiv. Sie ist einfach da, groß, grün, bergig, manchmal neblig, manchmal sonnendurchflutet, manchmal fast geheimnisvoll. Und genau dadurch bleibt sie hängen.
Für eine Reise mit Hund zwischen Dolomiten und Toskana ist die Emilia-Romagna im Apennin deshalb viel mehr als eine Zwischenstation. Sie ist ein eigener kleiner Urlaub. Man kann dort wandern, langsam fahren, in Bergdörfern anhalten, Kaffee trinken, über Märkte schlendern, die Nase in die Bergluft halten und dem Hund beim Glücklichsein zusehen.
Paul hat diese Gegend jedenfalls sofort verstanden. Ich musste ihm nichts erklären. Er stieg aus, senkte die Nase, wedelte kurz und war im Modus: Das hier ist gut. Und meistens hat der Dackel mit solchen Einschätzungen recht


