Zurück vom Gardasee

Gardasee mit Hund – meine Erfahrungen und ein Fazit

Paul und ich sind zurück vom Gardasee. Letztes Jahr war ich schon mit dem Wohnmobil dort und hab mir Riva und Limone angeschaut, dieses Jahr war ich in Pieve.

Es gibt Reiseziele, von denen man sich mehr erhofft als man bekommt. Der Gardasee gehört für mich dazu – zumindest was den Urlaub mit Hund angeht. Ich war mit Dackel Paul eine Woche dort, bin Bergstraßen gefahren, die mich sprachlos gemacht haben, und habe unten am See nach Ruhe gesucht, die es dort schlicht nicht gibt. Hier ist mein ehrliches Fazit.


Warum überhaupt der Gardasee?


Der Gardasee ist Italiens größter See und liegt so nah, dass er für viele Deutsche das erste Stück Süden ist, das sie je gesehen haben. Ungefähr 370 Kilometer lang ist die Uferstraße, die ihn umrundet. Die Berge im Norden fallen fast senkrecht ins Wasser, im Süden öffnet sich die Landschaft in flaches Weinland. Es gibt Palmen, Zitronenbäume, Olivenhaine und an klaren Tagen das Gefühl, irgendwo zwischen Alpen und Mittelmeer gestrandet zu sein – was ja auch stimmt.
Paul und ich sind im April dort gewesen. Die beste Reisezeit, sagen alle. Und in dieser Hinsicht stimmt es: Die Temperaturen lagen bei angenehmen 18 bis 22 Grad, Paul musste nicht keuchen, und die Hauptsaison mit Strandliegen bis zum Horizont hatte noch nicht begonnen.


Pieve – mein Quartier über dem See


Ich habe in Pieve übernachtet, einem kleinen Ort auf der Halbinsel Sirmione – nein, Moment. Pieve di Tremosine, um genau zu sein. Einem Bergdorf hoch oben auf der Westseite des Gardasees, 350 Meter über dem Seespiegel. Und das war mit Abstand die beste Entscheidung dieser Reise.
Von Pieve aus schaut man hinunter auf den See wie von einem Aussichtsturm. Das Wasser liegt so tief und so blau unter einem, dass man kurz vergisst zu atmen. Paul stand an der Aussichtsterrasse neben mir und hat in den Wind geschnüffelt, und ich habe gedacht: Ja, dafür bin ich hergekommen.
Die Bergstraße hinauf nach Pieve – die sogenannte Forra del Brasa, eine der spektakulärsten Straßen Europas – ist ein Erlebnis für sich. Sie führt durch eine enge Schlucht, an Wasserfällen vorbei, durch in den Fels gehauene Tunnel, und man fragt sich die ganze Zeit, wie hier überhaupt zwei Autos aneinander vorbeikommen sollen. Die Antwort: mit sehr viel Geduld und dem einen oder anderen Rangiermanöver. Wer solche Straßen liebt – und ich liebe sie – wird hier glücklich.
Die Dörfer oben im Hochplateau von Tremosine sind ruhiger als unten am See. Nicht alle sind authentisch, auch hier hat der Tourismus seine Spuren hinterlassen. Aber die Abgeschiedenheit und die Aussicht entschädigen für vieles.
Unten am See: ehrlich gesagt eine Enttäuschung
Jetzt kommt die andere Seite. Denn der Gardasee ist unten am Ufer vor allem eines: laut.
Die Uferstraße – die SS45 bis und die anderen Seestraßen – zieht sich fast durchgehend direkt am Wasser entlang. Zwischen dir und dem See liegt meistens der Asphalt. Und auf dem Asphalt fahren Autos, Motorräder und im Sommer Tausende von Campingmobilen. Von Ruhe, von einem entspannten Spaziergang am Wasser, von diesem Gefühl, das man an der Ostsee oder in Ligurien kennt – davon wenig bis nichts.
Ich habe immer wieder nach einem Flecken gesucht, an dem man einfach am Wasser sitzen kann, ohne Motorenlärm. Ich habe ihn selten gefunden.
Für Hundehalter kommt erschwerend hinzu: Hundestrände am Gardasee sind dünn gesät. An den regulären Stränden sind Hunde zwischen Mai und September offiziell nicht erlaubt. Wer also im Sommer kommt, muss gezielt suchen. Die bekanntesten Hundestrände sind der Braccobaldo Beach in Peschiera del Garda im Süden – mit rund 1.000 Quadratmetern der größte seiner Art am See – und der Bau Beach in Toscolano-Maderno am Westufer, der kostenlos und eingezäunt ist. In Manerba del Garda gibt es ebenfalls einen, am Río d’Avigo, der in der Hochsaison morgens und nachmittags geöffnet ist.
Schön klingt das. In der Praxis bedeutet es aber, dass du mit dem Hund nicht einfach an den nächsten Strand gehst. Du planst, fährst hin, suchst einen Parkplatz, und hofst, dass nicht gerade Hauptbetrieb ist.
Paul hat das Wasser des Gardasees trotzdem genossen. An ein, zwei Stellen haben wir Abschnitte gefunden, die außerhalb der Ortskerne lagen, wo es still war und er ins flache Wasser waten konnte. Aber ich musste sie suchen.
Was wirklich funktioniert: die Berge
Wer mit Hund an den Gardasee fährt und das Beste haben möchte, sollte die Zeit unten am See begrenzen und stattdessen die Berge erkunden.
Die Seilbahn auf den Monte Baldo in Malcesine lässt Hunde mit – mit Leine und Maulkorb, ein Hund pro Gondel. Von oben schaut man auf den kompletten See, auf der anderen Seite auf die Dolomiten, und versteht zum ersten Mal, wie groß dieses Wasser wirklich ist. Paul hat oben ausgiebig geschnüffelt, wir sind ein Stück gewandert, und ich war bereit, alles zu vergeben, was mich vorher gestört hatte.
Auch die Wasserfälle von Molina im Hinterland sind einen Ausflug wert. Hunde haben freien Eintritt, müssen aber an der Leine bleiben. Der Naturpark liegt in einer bewaldeten Schlucht mit Felsen, Höhlen und kleinen Wasserfällen – nichts Spektakuläres, aber schön ruhig und sehr hundfreundlich in der Atmosphäre.
Wer von Riva del Garda aus startet, kann den alten Ponale-Weg nehmen, der als Fahrrad- und Wanderweg in den Fels gehauen ist. Die Aussicht auf den nördlichen See ist beeindruckend und der Weg führt so weit weg vom Straßenlärm, dass man tatsächlich entspannt.
Ein Wort zur Hundefreundlichkeit insgesamt
Italiens Haltung zu Hunden ist grundsätzlich eine andere als in Deutschland. Die Leute auf der Straße begrüßen Paul enthusiastisch, Restaurantterrassen sind meist kein Problem, und in vielen Supermärkten darf er mit hinein. Das ist angenehm und entspannt den Reisealltag spürbar.
Rechtlich gilt: Hunde müssen in der Öffentlichkeit an einer maximal 1,5 Meter langen Leine geführt werden, ein Maulkorb muss vorhanden sein – in der Praxis reicht es meist, ihn in der Tasche zu haben. Wichtiger Hinweis für alle, die mit Hund in den Süden fahren: Der Gardasee liegt im Verbreitungsgebiet der Sandmücke, die Leishmaniose übertragen kann. Ein Tierarztbesuch vor der Reise und ein Scalibor-Halsband sind Pflicht – und das Halsband muss zwei Wochen vor Reiseantritt angelegt werden.
Mein Fazit: Für wen lohnt sich der Gardasee mit Hund?
Der Gardasee ist kein schlechtes Reiseziel mit Hund. Aber er ist auch kein Hundeparadies.
Wer Ruhe am Wasser sucht, wer einfach mit seinem Hund am Strand sitzen möchte ohne Planung und Parkplatzsuche, der ist an der Ostsee, an der Adria oder in Teilen der Toskana besser aufgehoben. Wer dagegen Bergstraßen liebt, Aussichten, die den Atem verschlagen, und bereit ist, die Hundestrände gezielt anzusteuern statt spontan – für den hat der Gardasee echte Qualitäten.
Pieve bleibt mir als einer hübschen Orte in Erinnerung. Diese Aussicht, diese Stille hoch oben, die Straße durch die Schlucht – das war es wert.
Unten am See werde ich beim nächsten Mal schneller weiterfahren.

Weiterlesen Urlaub mit Hund in Italien

Bis zu meiner nächsten Reise mit Paul ( die schon ein kleines bisschen geplant ist 😊) werde ich euch hier im Blog weiter von vergangenen Reisen berichten und von Ausflügen in den näheren Umgebung. Freu mich auch über ein Abo oder ein Like und über Kommentare sowieso.


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