
Wer zum ersten Mal an die Ostsee fährt, begegnet Begriffen die im Binnenland niemand kennt. Bodden. Haff. Förde. Wiek. Diese Wörter tauchen auf Karten, in Ortsnamen und in Reisebeschreibungen auf und wer sie versteht, versteht die Ostseeküste auf eine ganz andere Weise. Denn die deutsche Ostseeküste ist keine einfache Linie zwischen Land und Wasser. Sie ist eine hochkomplexe jahrtausendealte Landschaft aus Inseln, Halbinseln, Lagunen und Buchten die sich über Hunderte von Kilometern erstreckt und dabei nirgendwo gleich aussieht.
Ein Bodden ist eine flache vom offenen Meer weitgehend abgetrennte Küstenlagune die typisch für Mecklenburg-Vorpommern ist. Das Wasser ist dort noch ruhiger als an der offenen Küste, der Salzgehalt noch geringer, die Ufer oft flach und schlammig. Für Hunde ist der Bodden ein besonderer Ort: Das seichte Wasser lädt zum Waten ein, die Ufer sind oft menschenleer und die Weite dieser Landschaft hat etwas fast Meditatives. Der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft schützt einen großen Teil dieser einzigartigen Region, was bedeutet dass es dort strenge Regeln für Hunde gibt die man unbedingt kennen sollte. Dazu mehr in den Ortskapiteln.
Ein Haff ist dem Bodden ähnlich aber noch großflächiger. Es entsteht wenn ein Flussdelta oder eine Küstenebene durch eine vorgelagerte Nehrung vom offenen Meer abgetrennt wird. Das bekannteste Beispiel an der deutschen Ostseeküste ist das Stettiner Haff an der Grenze zu Polen direkt hinter Usedom. Das Wasser ist dort brackig also eine Mischung aus Salz und Süßwasser und beherbergt eine völlig eigene Tier und Pflanzenwelt. Für Urlauber mit Hund ist das Haff weniger ein Strandziel als ein Naturerlebnis: Weite Wasserflächen, flache Ufer und ein Horizont der sich anfühlt wie auf dem Meer obwohl man tief im Landesinneren steht.
Die Förde hingegen ist eine ganz andere Küstenform und typisch für Schleswig Holstein. Eine Förde ist ein langer schmaler Meeresarm der tief ins Land hineinreicht und durch die Bewegung eiszeitlicher Gletscher entstanden ist. Die Flensburger Förde, die Kieler Förde und die Schlei sind die bekanntesten Beispiele. Die Landschaft ist hügeliger, grüner und irgendwie sanfter als die weiten flachen Küsten Mecklenburg Vorpommerns. Für Hunde bieten Förden herrliche Uferwege die oft weit abseits touristischer Trampelpfade verlaufen. Wer ruhige Spaziergänge liebt und dabei trotzdem das Wasser nie aus den Augen verlieren möchte ist an einer Förde genau richtig.
Eine Wiek ist eine breite flache Meeresbucht die sanft ins Land einschneidet und meist von einem langen Sandstrand gesäumt wird. Die Wismarbucht oder die Lübecker Bucht sind klassische Beispiele. Diese Buchten sind es die die meisten Menschen vor Augen haben wenn sie an Ostsee denken: Breiter Sand, flaches Wasser und ein Horizont der sich weit ins Meer erstreckt. Für Hunde sind Wiekstrände ideal weil das Wasser langsam tiefer wird und selbst unsichere Schwimmer problemlos ins Wasser waten können ohne sofort in tiefes Wasser zu geraten.
Dann gibt es noch die Steilküsten die einen völlig anderen Charakter haben. Rügens Kreidefelsen, die Steilküste bei Travemünde oder die Brodtener Ufer in Schleswig Holstein sind Landschaften die man einmal gesehen haben muss. Hoch oben auf den Klippen spaziert man mit Hund während unten die Ostsee gegen den Fels brandet. Diese Küstenabschnitte sind landschaftlich atemberaubend aber nicht überall für Hunde zugänglich da viele Steilküstenbereiche unter Naturschutz stehen und Erosion ein ernstes Problem ist.
Die Ostseeküste ist also keine Kulisse sondern eine lebendige vielfältige Landschaft mit einer langen Geschichte. Wer das versteht schaut anders auf die Karte wenn er seinen nächsten Urlaub plant und findet Orte die andere Reisende einfach übersehen. Genau das ist das Ziel dieses Reiseblogs.


