
Wer den Gardasee kennt, denkt an Uferstraßen, Touristenmassen und Souvenirläden. Wer das Trentino kennt, denkt an etwas ganz anderes: türkisblaue Bergseen ohne Motorenlärm, mittelalterliche Dörfer, in denen die Zeit stehen geblieben ist, und Straßen, die sich durch Wälder und Felsen schlängeln, als hätte sie jemand vergessen der Welt zu melden. Dackel Paul und ich waren ausgiebig unterwegs – nicht am Gardasee, sondern in dem Teil des Trentino, der direkt dahinter beginnt. Es war die bessere Entscheidung.
Hier nehme ich dich mit zu meinen Lieblingsorten: dem Tennosee, dem kleinen Cavedine-See, dem Ledrosee, dem Idrosee und den alten Dörfern dazwischen, von denen einige zu den schönsten Italiens zählen.
Tennosee – der smaragdgrüne Bergsee über Riva
Der Tennosee, auf Italienisch Lago di Tenno oder auch Lago Azzurro, liegt auf 570 Metern Höhe, gut 20 Minuten Fahrt von Riva del Garda entfernt. Er entstand vor Jahrhunderten durch einen Bergrutsch, der den Lauf eines Flusses blockierte – und schuf damit eines der schönsten Gewässer des gesamten Trentino. Das Wasser ist so türkis-smaragdgrün, dass man es auf Fotos für bearbeitet hält. Es ist nicht bearbeitet.
Das Ufer ist autofrei. Man parkt oben auf einem gebührenpflichtigen Parkplatz und steigt über eine alte Steintreppe zum See hinab. Das ist kein Nachteil, sondern ein Filter. Wer nicht ein paar Stufen gehen will, bleibt eben weg. Unten wartet eine naturbelassene Kulisse: weißes Kiesufer, kühles Wasser, Wald, kein Kiosk, keine Liegestuhlreihen.
Mit Hund: In der Sommersaison (1. Juni bis 30. September) gilt am Hauptstrand Hundeverbot. Es gibt aber einen eigenen Hundestrand am Westufer, nicht weit vom Parkplatz – man geht vom Uferweg aus etwa zwei Drittel des Sees entlang und findet ihn auf der linken Seite. Wenig Schatten, aber das Wasser ist wunderschön sauber. Außerhalb der Saison ist der gesamte See entspannt mit Hund zu erkunden. Paul und ich waren im April dort – und hatten den See fast für uns allein.
Praktisches: Parkplatz oben, gebührenpflichtig. Kein Kiosk direkt am Wasser, Badeschuhe empfehlenswert wegen des Kiesufers.
Canale di Tenno – als wäre das Mittelalter nie gegangen
Direkt neben dem Tennosee, keine 15 Gehminuten entfernt, liegt Canale di Tenno. Und “liegt” ist das falsche Wort – das Dorf klebt an einem Berghang, als wäre es dort hineingewachsen. Enge Gassen, die kaum breit genug für zwei Menschen sind. Steinhäuser, die sich gegenseitig stützen. Bögen, Durchgänge, Holzbalkone mit Geranien. Ein kleiner Platz in der Mitte.
Das Dorf gehört zu den „Borghi più belli d’Italia”, den schönsten Dörfern Italiens – und das zu Recht. Es wurde nach dem Zweiten Weltkrieg fast komplett verlassen, bevor es ab den 60er Jahren von Künstlern neu entdeckt wurde. Heute gibt es das Casa degli Artisti, ein Atelier- und Begegnungshaus für Künstler aus ganz Europa. Verkaufsläden oder Restaurants sucht man fast vergebens, was den Ort konserviert. Im August findet das „Rustico Medioevo” statt – ein mehrtägiges Mittelalter-Fest mit Kostümen, Fackeln und Markttreiben direkt in den Gassen.
Mit Hund: Problemlos. Die Gassen sind zu schmal für Autos, also sowieso Fußgängerzone. Paul hat jeden Winkel beschnüffelt und sich dabei wie ein echter Dorfbewohner gefühlt.
Tipp: Canale und Tennosee lassen sich perfekt kombinieren – Dorf zuerst, dann runter zum See. Parken am gleichen Parkplatz.
Cavedine-See – der Geheimtipp unter den Seen
Der Cavedine-See, Lago di Cavedine, liegt ein Stück weiter östlich, eingebettet zwischen Hügeln und Weinbergen im Valle dei Laghi – dem Tal der Seen. Er ist deutlich weniger bekannt als Tenno- und Ledrosee, was ihn für alle, die Ruhe suchen, zur ersten Wahl macht. Das Wasser ist klar und ruhig, die Ufer grün, die Atmosphäre entspannt.
Das Valle dei Laghi ist die Region zwischen Trient und dem nördlichen Gardasee, bekannt für seine Weinproduktion – insbesondere den Vino Santo Trentino, einen der seltensten Dessertweine Italiens. Wer also zwischen zwei Seebesuchen auch Wein trinken möchte: hier ist die richtige Gegend.
Mit Hund: Keine strengen Strandregeln wie am Gardasee. Wer an ruhigen Uferstellen sucht, findet sie.
Ledrosee – die entspannte Alternative
Der Ledrosee, Lago di Ledro, liegt auf 655 Metern Höhe im Valle di Ledro, von Riva del Garda aus über zwei Tunnel in wenigen Minuten erreichbar. Mit 2,2 Quadratkilometern ist er deutlich größer als Tenno- und Cavedine-See, und wirkt dennoch wie eine andere Welt. Kein Straßenlärm entlang des Ufers, keine dicht befahrene Seestraße. Ein Uferwanderweg verbindet die kleinen Ortschaften Pieve di Ledro, Molina, Mezzolago und Pur.
Der See hat außerdem Geschichte zu bieten: 1929, als der Wasserstand für ein Wasserkraftwerk abgesenkt wurde, tauchten Reste einer rund 4.000 Jahre alten Pfahlbausiedlung auf. Im Museo delle Palafitte in Molina di Ledro kann man heute Originalfunde aus der Bronzezeit sehen – ein kurzer aber beeindruckender Abstecher.
Mit Hund: Der Ledrosee ist eindeutig hundefreundlicher als der Gardasee. Im Ortsteil Pur gibt es einen eigenen, eingezäunten Hundestrand direkt neben dem öffentlichen Strand. Kostenlos, immer geöffnet, mit Pinienbäumen für Schatten. Adresse: Via Val Maria 175, 38067 Pur. Parkplätze in der Nähe. Außerhalb der Saison ist der gesamte Uferweg frei zugänglich. Paul hat dort ausgiebig gebadet.
Idrosee – der Ruhigste von allen
Der Idrosee, Lago d’Idro, liegt am südwestlichen Rand des Trentino, fast an der Grenze zur Lombardei, und ist für viele Gardasee-Urlauber noch ein echter Geheimtipp. Er ist schmaler und tiefer als der Gardasee, von Bergen umgeben, und hat an seinen Ufern kleine Ortschaften, die noch echtes Dorfleben zeigen.
Im Sommer wird das Wasser rund 20 Grad warm – vergleichbar mit dem Gardasee, aber bei deutlich weniger Betrieb. Der See ist bei Surfern, Seglern und Kanufahrern beliebt, hat aber keine überfüllten Uferpromenaden. Auf der Trentiner Seite, bei Baitoni, verbinden zwei Strandabschnitte ein schönes natürliches Biotop, das Wasservögeln und verschiedenen Tierarten als Lebensraum dient.
Mit Hund: Deutlich entspannter als am Gardasee. Keine strengen Strandverbote, keine Uferstraße, die einem den Zugang zum Wasser versperrt. Paul und ich sind am Ufer spaziert, haben das Biotop durchquert und hatten den Eindruck, wirklich angekommen zu sein.
Bondone – das Köhlerdorf am Idrosee
Wenige Autominuten vom Idrosee entfernt liegt Bondone. Auch dieser Ort gehört zu den „Borghi più belli d’Italia”. Bondone trägt den Beinamen „Dorf der Köhler”, weil seine Einwohner jahrhundertelang aus dem Holz der umliegenden Wälder Holzkohle herstellten. Die Fresken an den Hausfassaden erzählen diese Geschichte, einschließlich der Pest, die das Dorf im 17. Jahrhundert heimsuchte.
Das Castel San Giovanni thront über dem Dorf und dem See, die Pfarrkirche aus dem 14. Jahrhundert steht im Zentrum, und die Gassen sind still genug, um zu hören, wie die eigenen Schritte auf dem Kopfsteinpflaster klingen. Im August belebt das Festival „Bondone in Strada” die Straßen mit Straßentheater und Musik.
Mit Hund: Perfekt. Kleine, autoarme Gassen, Natur ringsum, kein Touristenrummel.
Warum das Trentino das bessere Reiseziel für Hundebesitzer ist
Der Gardasee ist groß, bekannt und schön. Aber das Trentino dahinter ist das, was viele Hundebesitzer eigentlich suchen: Natur ohne Massentourismus, Seen ohne Strandverbote, Dörfer ohne Souvenirläden.
Die kleinen Seen – Tenno, Cavedine, Ledro, Idro – bieten mit Hund eine Qualität, die der Gardasee kaum liefert. Man findet Ufer, an denen man einfach sitzen kann. Man läuft durch Dörfer, in denen der Hund herzlich gegrüßt wird. Und man fährt auf Bergstraßen, die allein schon das Reisen wert sind.
Riva del Garda eignet sich ideal als Ausgangsbasis – von dort sind alle genannten Ziele in unter 30 Minuten erreichbar.
Hinweis für die Anreise: Im Mittelmeerraum besteht das Risiko der Leishmaniose durch Sandmücken. Vor der Reise zum Tierarzt und ein Scalibor-Halsband zwei Wochen vor Abreise anlegen.
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